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Er ist ein Abenteurer und hat sein Hobby zu
seinem Beruf gemacht, bei dem ihm im übrigen
so
schnell niemand über die Schultern schauen kann: Brian Coll ist
kommerzieller Bergungs- und Sprengtaucher, Fachmann für
Kampfmittelräumung über und unter Wasser sowie Inhaber und
Geschäftsführer der Firm BITEK Bergungsdienst GmbH im Syker
Industriegebiet. Wie kommt der gebürtige Schotte, der mit Frau
Marion und seinen beiden Töchtern Stephanie und Angela in
Heiligenfelde lebt, zu so einem „Bombenjob“? „Mein absoluter Wunsch
war es, den Beruf des Tauchers zu erlernen“, erzählte der 49-
jährige. „Meine Eltern waren strikt dagegen, und in Schottland
durfte man den Job erst mit 21 Jahren machen. Also lernte ich zuerst
das Handwerk des Elektroinstallateurs und ging mit 19 nach Holland
als Signalmann in ein Taucherunternehmen. Zwei Jahre später erwarb
ich im schottischen Fort William meine erste Tauchlizenz. 1983 kam
ich über Frankreich und die Niederlande nach Deutschland. Hier
machte ich den deutschen Berufstaucherschein und war anschließend
beteiligt an der Verlegung des Stromkabels von Emden nach Borkum.“
Weiter erzählt er: „Wie die meisten Taucher war ich lange Zeit
selbstständig, ließ mich für einzelne Projekte unter Wasser
engagieren. Dadurch kam ich in nahezu jeden Winkel der Welt.“
Während des Iran – Irak – Krieges baute er Entsalzungsanlagen im
Iran, war an der Bergung von Blockschiffen in Kroatien beteiligt und
holte Giftgas- und Clusterbomben aus der Lübecker Bucht. Mit
Schaudern erinnert er sich an einen höchst gefährlichen Auftrag auf
den Bohrinseln im norwegischen Ekofisk – Feld. Ständig waren hier
mehrere international gemischte Taucher – Crews unter Wasser, um die
Ölförder – Plattformen zu kontrollieren. Häufig gab es
Schwierigkeiten mit der Kommunikation. Verbindliche einheitliche
Sicherheitsvorschriften gab es seinerzeit noch nicht. Bei Unfällen
kamen während dieses Jobs rund 70 Taucherkollegen ums Leben. Mit
gemischten Gefühlen erinnert Coll sich auch an die Erstbetauchung
des Wracks der „Wilhelm – Gustolff“ in den 80-ern. Das deutsche
Passagierschiff ging am 30. Januar 1945 mit mehr als 9000 Menschen
nach einem russischen Torpedotreffer in der eiskalten Ostsee unter.
„Es war schon ein schauriges Gefühl, hinab zu dem stählernen
Massengrab zu tauchen. Wir haben Gedenktafeln angebracht und
Filmaufnahmen für die BBC gemacht, argwöhnisch von russischen und
polnischen Grenzsoldaten sowie Marineeinheiten der DDR beobachtet.
Die durften aber nicht eingreifen, weil wir uns außerhalb der Zwölf
– Meilen – Zone befanden. Dafür bekamen wir es nach unserer Rückkehr
nach Kiel mit den deutschen Behörden zu tun, die uns direkt nach dem
Einlaufen für eine Nacht ins Gefängnis steckten.“ 1983 nahm er einen
Job in Wilhelmshaven an: Munitionsbergung aus dem Banter See.
Tonnenweise holte er mit seinen Kollegen aus dem Becken des
ehemaligen U – Boot – Hafens der Marine altes, zumeist verrottetes
Kriegsmaterial. Waffen, Bomben und Torpedos. In dieser Zeit lernte
er seine Frau Marion kennen, die in Schillig bei Horrumersiel
arbeitete. 1984 heirateten sie. Ende der 80-er kam Brian Coll nach
Bremen. Für den Neubau des Weserwehrs von 1989 – 1993 war er als
Munitions- und Bautaucher von einer Bremer Firma verpflichtet
worden.
1992
gründete er mit Bitek ein eigenes Unternehmen für Bautauchen und war
als Subunternehmer an der Großbaustelle tätig. Als sein Auftraggeber
Insolvenz anmelden musste, erweiterte er das Leistungsspektrum von
Bitek auch auf das Suchen und Bergen von Kampfmitteln. Er übernahm
den Großauftrag und führte ihn erfolgreich zu Ende. Zunächst befand
sich der Firmensitz auf dem ehemaligen AG Weser – Gelände Bremen.
Seit 2003 agiert Coll mit seinem Team von Syke aus. Schnell wuchs
der Betrieb und entwickelte sich zu einer festen Größe. Allein die
Ausrüstungsliste ist beeindruckend: Neben diversen Ortungs- und
Sondiersystemen, Tauchrobotern, Bau- und Einsatzfahrzeugen umfasst
sie vier Taucherbasisschiffe, sieben Arbeitsboote sowie einen
Schwimmponton. Je nach Auftragslage beschäftigt Brian Coll bis zu 50
freie und festangestellte Mitarbeiter. Wann immer die Errichtung von
Wasserbauwerken oder wasserbaulichen Maßnahmen ansteht, sind
zunächst die Kampfmittelräumer gefragt. „Üblicherweise bekommen wir
unsere Aufträge im ersten Schritt eines Projektes von verschiedenen
Bundes- und Landesbehörden und werden vom staatlichen
Kampfmittelräumdienst in unserer Arbeit kontrolliert“, erklärt Brian
Coll. „Wir beginnen dann mit der Sondierung des Gewässerbodens.
Dafür haben wir Spezialboote, auf denen Passivsonden zur
Lokalisierung von Metall installiert sind. Eine Arbeit, die mit
absoluter Genauigkeit erledigt werden muss. Anschließend werden
sämtliche festgestellten Anomalien betaucht und die Gegenstände
geborgen. Bei 97 Prozent der Funde handelt es sich um Schrott.
Finden wir Kampfmittel, so werden sie nach einer Analyse der
Gefährdung vor Ort gesprengt oder eben geborgen und fachgerecht
entsorgt.“ So ein Auftrag kann Monate und Jahre in Anspruch nehmen,
wie beim Bau des neuen Weserwehrs in Bremen oder aktuell bei der
Begradigung des Weserflusslaufes zwischen Hemelingen und
Landesbergen. Bei allen Geschichten, die Brian Coll aus seinem
Arbeitsalltag erzählen kann, stellt er stets das Thema Sicherheit
ganz nach vorne: „Der Job ist wenig gefährlich, sofern man sich an
seine Spielregeln hält und sich nicht überschätzt. Ständige
Fortbildung ist ein Muss. Dank unserer hohen Sicherheitsstandards
ist es bisher zu keinen schweren Unfällen gekommen. Das soll so
bleiben!“ |